Neue Studie: Alkohol hilft dem Gehirn sich zu erinnern

Alkoholika (Wikipedia / User: Peter Niemayer / CC BY-SA 3.0)
Alkoholika (Wikipedia / User: Peter Niemayer / CC BY-SA 3.0)

Das Trinken von Alkohol bereitet bestimmte Hirnareale darauf vor, besser zu lernen und sich besser erinnern zu können. Dies ergab eine neue Studie des Waggoner Center for Alcohol and Addiction Research an der University of Texas in Austin.

Die herkömmliche Meinung, dass Trinken eher schlecht für das Lernen und das Gedächtnis ist, ist nicht falsch, so der Neurobiologe Hitoshi Morikawa, jedoch zeigt das nur die eine Seite davon auf, was Ethanol-Konsum im Gehirn verursacht.

"Wenn wir über Lernen und Gedächtnis reden, meinen wir normalerweise das bewusste Gedächtnis", so Morikawa, dessen Forschungsergebnisse letzten Monat im Journal of Neuroscience veröffentlicht wurden. "Alkohol vermindert die Fähigkeit unseres Gehirns, sich an Teile einer Information zu erinnern, wie zum Beispiel den Namen eines Kollegen oder die Definition eines Wortes oder wo man am Morgen sein Auto geparkt hat. Doch unser Unterbewusstsein lernt und erinnert sich ebenfalls und auf dieser Ebene könnte Alkohol tatsächlich unsere Lernfähigkeit oder 'Konditionierungsfähigkeit' verbessern."

Morikawas Studie, bei der herauskam, dass wiederholte Ethanolaufnahme die synaptische Plastizität in einem wichtigen Hirnareal verbessert, ist ein weiterer Hinweis auf die aufkommende übereinstimmende Meinung innerhalb der Neurowissenschaftler, dass Drogen- und Alkoholabhängigkeit im Grunde genommen eine Lern- und Gedächtnisstörung ist.

Wenn man Alkohol trinkt (oder sich Heroin spritzt, Kokain schnupft oder Methamphetamine nimmt), lernt unser Unterbewusstsein, immer mehr davon zu konsumieren. Doch das ist nicht alles. Wir werden empfänglicher dafür, unterbewusste Erinnerungen und Gewohnheiten mit Bezug auf Nahrung, Musik, ja sogar Menschen und gesellschaftliche Situationen zu bilden.

Auf den Punkt gebracht, so Morikawa, sind Alkoholiker nicht süchtig nach der Erfüllung von Lust oder Befreiung, die sie beim Trinken von Alkohol erfahren. Sie sind abhängig nach der Kombination aus Auslösereizen aus Umwelt, Verhalten und Physiologie, die verstärkt werden, wenn Alkohol die Dopamin-Ausschüttung im Gehirn verstärkt.
"Die Menschen halten Dopamin für gewöhnlich für einen Transmitter für Freude oder Lust, doch eigentlich ist es eher ein Lern-Transmitter", so Morikawa. "Es verstärkt die Art von Synapsen, die aktiv werden, wenn Dopamin ausgeschüttet wird."

Alkohol ist in diesem Modell der "Ermöglicher". Er nimmt das dopaminerge System für sich in Anspruch und sagt dem Gehirn, dass das, was man im Moment gerate tut, eine Belohnung ist (und deswegen wiederholt werden sollte).

Unter all den Dingen, die wir dabei lernen, ist, dass Trinken von Alkohol lohnend ist. Wir lernen aber auch, dass der Besuch einer Kneipe, das Plaudern mit Freunden, bestimmte Speisen zu essen und bestimmte Musik dabei zu hören, ebenfalls eine Belohnung ist. Je öfter wir diese Dinge tun, während wir trinken, und je mehr Dopamin freigesetzt wird, desto "mächtiger" werden die verschiedenen Synapsen und desto mehr lechzen wir nach den Erfahrungen und Assoziationen, die um den Alkoholkonsum kreisen.

Morikawas Hoffnung für die Zukunft ist, dass er, wenn er die neurobiologische Basis von Abhängigkeit besser verstanden hat, Medikamente gegen Sucht entwickeln kann, die die Schlüsselsynapsen schwächt statt verstärkt. Und wenn er das schaffen würde, könnte er sogar das unterbewusste Suchtgedächtnis auslöschen.

"Wir sprechen dabei vom Abschalten gewisser Dinge", so Morikawa. "Das ist auf gewisse Weise gruselig, denn es hat das Potenzial für einen gedanken-kontrollierenden Wirkstoff. Jedoch ist unser einziges Ziel, die gedanken-kontrollierenden Aspekte von süchtig machenden Substanzen umzukehren."

Quelle: http://www.utexas.edu/news/2011/04/12/alcohol_study/

(SOM)

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