Der Untergang von Angkor: Alte Lektionen für eine moderne Herausforderung

Luftaufnahme von Angkor Wat (Charles J Sharp)
Luftaufnahme von Angkor Wat (Charles J Sharp)

Im 15. Jahrhundert brach auf rätselhafte Weise der Sitz des Khmer-Reiches in Kambodscha zusammen. Jetzt hat eine Wissenschaftlerin der Gates Begabtenförderung an der University of Cambridge die klimatische Geschichte zusammengesetzt und eine neue Theorie vorgestellt, um seinen Untergang zu erklären.

Was verursachte vor 600 Jahren den Zusammenbruch der kambodschanischen Stadt Angkor, der größten vorindustriellen Stadt der Welt? Frühere Arbeiten legten nahe, dass Krieg und Raubbau an den Ländereien daran schuld waren, doch eine neue Studie zeigt, dass Dürre dabei eine tragende Rolle gehabt haben könnte, obwohl die Stadt über ein ausgeklügeltes System zur Wasserversorgung verfügt hatte.

Die Forschung zum Niedergang der Metropole an der Stelle der weltberühmten Tempelanlage Angkor Wat könnte auch heutzutage für Menschen lehrreich sein, die mit Klimaveränderungen kämpfen, so die Wissenschaftlerin Mary Beth Day von der Gates Cambridge Scholarships.

Sie ist Mitglied eines internationalen Forschungsteams, das die Wasserwirtschaft von Angkor untersuchte, der Hauptstadt des einstigen Khmer-Reichs. Angkor, das aus dem 9. Jahrhundert stammt, ist Weltkulturerbe und eine der bedeutendsten archäologischen Stätten in Südostasien. Angkor Wat gilt als das weltgrößte Einzelheiligtum. Kunst und Architektur aus dieser Region hatten umfassenden Einfluss auf ganz Südostasien.

Sonnenaufgang über Angkor Wat (J. Frasse)
Sonnenaufgang über Angkor Wat (J. Frasse)

Bis jetzt dachte man, dass Kriege und eine Ausbeutung der Ländereien Gründe für den Zusammenbrauch von Angkor im 15.Jahrhundert gewesen sind. Mary Beth, eine Paläolimnologin, die ihren Doktor in Geowissenschaften an der University of Cambridge macht, reiste mit einer Autorikscha oder Tuk-Tuk durch die Region und sammelte dabei Bodenproben. Durch diese Proben, sowie durch einen Sediment-Bohrkern aus einem Wasserreservoir, das von den Khmer im 11. Jahrhundert errichtet worden war, konnten sie und ihre Kollegen die Klimageschichte der letzten 1.000 Jahre in dieser Region zusammensetzen.

Sie fanden heraus, dass zu dem Zeitpunkt, als Angkor zusammenbrach, die Menge der Sedimentablagerungen signifikant abnahm, die Wasserstände dramatisch abfielen. Das führte zu Veränderungen in der Ökologie des Reservoirs und ist damit wahrscheinlich, so Mary Beth, einer der Gründe für den Zusammenbruch der Region, wenn auch nicht der Einzige.

Sie sagt, dass die politischen und sozialen Unruhen zwischen dem niederen Volk und der herrschenden Klasse geradezu einen Aufruhr verursacht haben, was bedeutet, dass die Stadt nicht darauf vorbereitet war, gegen die umweltbedingten Herausforderungen der Dürre anzugehen. "Es war einfach zu viel für sie, um alles zur selben Zeit in den Griff zu bekommen", sagt sie und fügt hinzu, dass die Entwaldung möglicherweise zur den Umweltproblemen der Gegend beigetragen hat.

Die Forschungsarbeit wurde in den Proceedings of the National Academy of Science veröffentlicht und hat weltweit Schlagzeilen gemacht, von der New York Times bis zum BBC World Service. Am kommenden Donnerstag wird sie für BBC Radio Four’s Material World interviewt werden.

Mary Beth glaubt, dass die Forschungsarbeit auch Einflüsse auf heutige Versuche zur Verringerung der Auswirkungen des Klimawandels haben wird. "Angkor hatte ein sehr ausgeklügeltes System der Wasserwirtschaft, doch das war nicht genug, um die extremen klimatischen Probleme und politische und soziale Unruhen zu bekämpfen", sagt sie. "Wir können Viel daraus lernen, wenn wir untersuchen, wie Klimaveränderungen Populationen in der Vergangenheit beeinflusst haben und können Wege entwickeln, dieses in der Zukunft zu bewältigen."

Quelle: http://www.cam.ac.uk/research/features/ancient-lessons-for-a-modern-challenge/

(THK)

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Ein Kommentar

  1. EIN SEHR GUTER INFORMATIVER ARTIKEL ÜBER DIE VERLASSENE UND LANGE ZEIT UNENTDECKTE TEMPELSTADT ANGKOR WAT !!!

    HOCHINTERESSANT!

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