Archäologen entdecken älteste Bauwerke Jordaniens

Zwei epipaläolithische Strukturen (Dr. Lisa Maher)
Zwei epipaläolithische Strukturen (Dr. Lisa Maher)

In der Wüste Jordaniens wurden einige der frühesten Hinweise auf prähistorische Architektur entdeckt, was Archäologen neue Blickwinkel darauf liefert, wie Menschen vor 20.000 Jahren lebten.

Archäologen, die im östlichen Jordanien arbeiten, haben die Entdeckung von 20.000 Jahre alten hüttenartigen Bauwerken bekannt gegeben, den ältesten, die bis jetzt in dem Königreich gefunden wurden. Die Entdeckung legt nahe, dass die Gegend einst stark besiedelt war, und dass die Ursprünge der Architektur in diesem Gebiet 20.000 Jahre zurückreichen, lange bevor der Ackerbau aufkam.

Die Forschungsarbeit des Teams aus britischen, dänischen, amerikanischen und jordanischen Wissenschaftlern wurde am 15. Februar 2012 in PLoS One veröffentlicht und beschreibt Hütten, die von Jägern und Sammlern als Langzeitunterkünfte benutzt wurden. Dies lässt den Schluss zu, dass viele Verhaltensweisen, die man späteren Kulturen und Lebensgemeinschaften zugeschrieben hatte, wie zum Beispiel zunehmende Ortsbindung und ein weitreichendes soziales Netzwerk, bereit 10.000 Jahre früher existiert haben.

Die Ausgrabungen an der Stätte Kharaneh IV geben den Archäologen neue Blickwinkel darauf, wie Menschen vor 20.000 Jahren gelebt haben. Auch wenn das Gebiet heute absolut trocken und ausgedörrt ist, boten die Wüsten Jordaniens während der letzten Eiszeit mit ihren Flüssen, Strömen und jahreszeitlich bedingten Seen und Tümpeln eine blühende, reichhaltige Umgebung für die dort siedelnden Jäger und Sammler.

"Wir können an der Ausgrabungsstätte Kharaneh IV in der jordanischen Wüste eine enorme Ansammlung von Menschen an einem Ort beobachten", erklärt Dr. Jay Stock vom Department of Archaeology and Anthropology an der University of Cambridge und Co-Autor des Artikels.

"Als diese Hütten erbaut wurden, lebten die Menschen dort für eine beträchtliche Zeitspanne. Sie tauschten Gegenstände mit anderen Gruppen in der Gegend aus und bestatteten sogar ihre Toten dort. Diese Aktivitäten gehen den mit dem Auftauchen des Ackerbaus verbundenen Siedlungen voraus, welcher später das Jäger- und Sammlertum ersetzte. In Kharaneh IV konnten wir ein ähnliches Verhalten dokumentieren, 10.000 Jahre bevor der Ackerbau auf der Bühne erschien."

Die Archäologen, die durch eine Stiftung des Arts and Humanities Research Council UK finanziert wurden, verbrachten drei Saisons mit Ausgrabungen an der zwei Hektar großen Freiluft-Ausgrabungsstätte. Sie gruben hunderttausende von Steinwerkzeugen, Tierknochen und anderen Funden in Kharaneh IV aus, das sich heutzutage nur mehr als ein 3 Meter hoher Erdhügel über die Wüstenlandschaft erhebt.

Basierend auf der Größe und der Siedlungsdichte der Stätte hatten die Wissenschaftler lange nur angenommen, dass Kharaneh IV über einen langen Zeitraum von einer großen Anzahl von Menschen frequentiert worden war; diese aktuellen Funde bestätigen jetzt diese Theorie. "Für ein ungeübtes Auge mag das nicht sonderlich eindrucksvoll aussehen, doch dies ist eine der dichtbesiedeltsten und größten altsteinzeitlichen Freiluft-Grabungsstätten der Region", sagte Dr. Lisa Maher von der University of California in Berkeley, die die Ausgrabungen leitet.

Lageplan der Ausgrabungsstätte mit den Strukturen / Fundstücken und deren Ausrichtung zueinander (Dr. Lisa Maher / PloS One)
Lageplan der Ausgrabungsstätte mit den Strukturen / Fundstücken und deren Ausrichtung zueinander (Dr. Lisa Maher / PloS One)

"Die Menge an Steinwerkzeugen und Tierknochen übertrifft bei Weitem die Mengen, die man an den meisten anderen Grabungsstätten dieses Zeitraums in Südwest-Asien gefunden hat." Außerdem entdeckte das Team auch seltenere Gegenstände wie Muschelperlen, Knochen mit gleichmäßigen eingekerbten Linien und ein Kalkstein-Fragment mit geometrisch geschnitzten Mustern.

Bis jetzt hat das Team zwei Hütten komplett ausgegraben, doch unter dem Wüstensand könnten sich noch einige mehr verbergen. "Sie sind nicht unbedingt groß. In der Länge messen sie maximal zwei bis drei Meter und sie wurden in den Boden gegraben. Wände und Dach waren aus Geäst, das verbrannt ist und einstürzte und dunkle Markierungen hinterließ", beschreibt Dr. Tobias Richter von der Universität Kopenhagen und einer der Co-Direktoren des Projekts.

Radiokarbondatierungen ergaben, dass die Hütte zwischen 19.300 und 18.600 Jahre alt ist. Obwohl ein Archäologenteam bereits 1989 bei Ausgrabungen in Ohalo II am Ufer des Sees Genezareth das mit 23.000 Jahren älteste hüttenartige Bauwerk gefunden hatte, glaubt das Team an der Grabungsstätte Kharaneh IV, dass ihre Entdeckung nicht weniger bedeutend ist, wie Dr. Maher erklärt:

"Im Inneren der Hütten fanden wir Stapel von sorgfältig ausgebrannten, ausgehöhlten Gazellen-Hörnern, Klumpen von rotem Ocker-Farbstoff und einen Vorrat von hunderten, gelochten Meeresmuscheln. Diese Muschelperlen wurden über eine Strecke von mehr als 250 Kilometern vom Mittelmeer und dem Roten Meer an diesen Ort gebracht was beweist, dass die Menschen dort sehr gute regionale soziale Netzwerke hatten und Gegenstände über beträchtliche Entfernungen hinweg austauschten."

Quelle: http://www.cam.ac.uk/research/news/archaeologists-discover-jordans-earliest-buildings/

(THK)

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