Astronomen schlagen Handys für die Suche nach schnellen Radioblitzen vor

Künstlerische Darstellung eines schnellen Radioblitzes, der die Erde erreicht. Die Farben veranschaulichen die Ankunft des Ausbruchs in verschiedenen Radiowellenlängen. Lange Wellenlängen (rot) kommen mehrere Sekunden nach den kurzen Wellenlängen (blau) an. Diese Verzögerung wird als Dispersion bezeichnet und tritt auf, wenn Radiowellen kosmisches Plasma durchqueren. (Credit: Jingchuan Yu, Beijing Planetarium / NRAO)
Künstlerische Darstellung eines schnellen Radioblitzes, der die Erde erreicht. Die Farben veranschaulichen die Ankunft des Ausbruchs in verschiedenen Radiowellenlängen. Lange Wellenlängen (rot) kommen mehrere Sekunden nach den kurzen Wellenlängen (blau) an. Diese Verzögerung wird als Dispersion bezeichnet und tritt auf, wenn Radiowellen kosmisches Plasma durchqueren. (Credit: Jingchuan Yu, Beijing Planetarium / NRAO)

Schnelle Radioblitze sind kurze Eruptionen aus Radioemissionen, die nur eine tausendstel Sekunde dauern, und deren Ursprung rätselhaft ist. In der letzten Dekade wurden mit riesigen Radioteleskopen wie dem 300-Meter-Radioteleskop in Arecibo (Puerto Rico) weniger als zwei Dutzend schnelle Radioblitze empfangen. Davon wurde nur bei einem der Ursprungsort festgestellt: eine etwa drei Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxie.

Die anderen bekannten schnellen Radioblitze scheinen ebenfalls aus fernen Galaxien zu stammen, aber es gibt keinen offensichtlichen Grund dafür, das ein solcher schneller Radioblitz nicht auch ab und zu in unserer Milchstraßen-Galaxie stattfinden sollte. Wenn das passiert, so schlagen Astronomen vor, dann wäre er "laut" genug", um von einem globalen Netzwerk aus Handys oder kleinen Radioempfängern "gehört" zu werden.

"Die Suche nach nahen schnellen Radioblitzen bietet eine Gelegenheit für Bürgerwissenschaftler, um Astronomen dabei zu helfen, eine der neuesten Spezies im galaktischen Zoo zu finden und zu untersuchen", sagte der Theoretiker Avi Loeb vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics (CfA).

Frühere schnelle Radioblitze wurden in Radiofrequenzen registriert, die mit den von Handys, Wi-Fi und ähnlichen Geräten genutzten Frequenzen übereinstimmen. Die Nutzer könnten vielleicht eine freie Smartphone-App herunterladen, die im Hintergrund laufen würde, die entsprechenden Frequenzen überwachen und die Daten an eine zentrale Verarbeitungseinrichtung schicken würde.

"Ein schneller Radioblitz in der Milchstraßen-Galaxie – im Grunde genommen in unserem eigenen Hinterhof – würde den gesamten Planeten auf einmal überfluten. Wenn tausende Handys einen Radioimpuls fast zur gleichen Zeit auffangen würden, dann wäre das ein guter Beleg dafür, dass wir ein echtes Ereignis gefunden haben", erklärte der Hauptautor Dan Maoz von der Tel Aviv University.

Die Entdeckung eines schnellen Radioblitzes in der Milchstraßen-Galaxie mag etwas Geduld erfordern. Basierend auf den wenigen, weiter entfernten Radioblitzen, die bislang registriert wurden, schätzen Maoz und Loeb, dass in der Milchstraßen-Galaxie etwa alle 30-1.500 Jahre ein neuer Radioblitz stattfindet. Da jedoch bekannt ist, dass manche schnellen Radioblitze wiederholt ausbrechen, vielleicht über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte hinweg, dann könnte jetzt einer in der Milchstraßen-Galaxie aktiv sein. Falls dem so sein sollte, könnte der Erfolg ein jährliches oder sogar wöchentliches Ereignis sein.

Ein Netzwerk spezialisierter Detektoren könnte sogar noch hilfreicher bei der Suche nach nahen schnellen Radioblitzen sein. Für nur zehn US-Dollar pro Stück können serienmäßig hergestellte USB-Geräte für einen Laptop oder Desktop-Computer gekauft werden. Wenn tausende solcher Detektoren rund um den Globus im Einsatz sind, vor allem in Regionen, die relativ frei von irdischen Radiointerferenzen sind, dann wäre die Entdeckung eines nahen schnellen Radioblitzes wohl nur eine Frage der Zeit.

Diese Forschungsarbeit wurde zur Veröffentlichung in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society angenommen und ist online verfügbar.

Das Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics (Cfa) hat seinen Hauptsitz in Cambridge (Massachusetts) und ist ein Gemeinschaftsprojekt des Smithsonian Astrophysical Observatory und des Harvard College Observatory. Wissenschaftler aus sechs Forschungsabteilungen untersuchen hier den Ursprung, die Entwicklung und das endgültige Schicksal des Universums.

Quelle

(THK)

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