Neue Studie verbindet Verwerfungen und antike Stätten in der Ägäis

Der Tempel des Apollon in Delphi. (Credit: Wikipedia / User: Helen Simonsson / CC BY-SA 3.0)
Der Tempel des Apollon in Delphi. (Credit: Wikipedia / User: Helen Simonsson / CC BY-SA 3.0)

Die Alten Griechen könnten ehrwürdige oder geschätzte Stätten wissentlich auf Land erbaut haben, das vorher von Erdbebenaktivitäten betroffen war. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der University of Plymouth.

Iain Stewart, Professor für Geowissenschaften und Direktor am Sustainable Earth Institute der University of Plymouth, hat mehrere BBC-Dokumentationen über die Auswirkungen von Erdbeben bei der Gestaltung von Landschaften und Gesellschaften präsentiert.

Jetzt vermutet er, dass Verwerfungen, die durch seismische Aktivitäten in der Ägäis entstanden, dazu geführt haben könnten, dass den Gebieten ein spezieller kultureller Status zugesprochen wurde. Dadurch wiederum wurden sie zu Standorten berühmter Tempel und großer Städte.

Wissenschaftler haben bereits vorgeschlagen, dass Delphi, ein Bergkomplex und einst Heimat eines legendären Orakels, seine Position in der Gesellschaft des Antiken Griechenlands infolge einer heiligen Quelle und berauschender Gase erhielt, die aus einer von einem Erdbeben erzeugten Verwerfungslinie austraten.

Aber Professor Stewart denkt, dass Delphi diesbezüglich nicht allein gewesen sein könnte, und dass andere Städte, darunter Mykene, Ephesos, Knidos und Hierapolis, insbesondere wegen der Präsenz von Verwerfungslinien erbaut worden sein könnten.

"Erdbebenbedingte Verwerfungen kommen in der Ägäis häufig vor, und seit mehr als 30 Jahren bin ich fasziniert von der Rolle, die Erdbeben bei der Gestaltung ihrer Landschaft spielten. Aber ich habe immer gedacht, dass es mehr als ein Zufall ist, dass viele bedeutende Stätten direkt auf Verwerfungslinien liegen, die durch seismische Aktivität verursacht wurden. Die Alten Griechen legten großen Wert auf heiße Quellen, die von Erdbeben freigelegt wurden, aber vielleicht war die Errichtung von Tempeln und Städten in der Nähe dieser Orte systematischer als bislang vermutet wurde", sagte Professor Stewart.

In der Studie, veröffentlicht in den Proceedings of the Geologists' Association, argumentiert Professor Stewart, dass eine Übereinstimmung aktiver Verwerfungen mit antiken Stätten in Teilen Griechenlands und der westlichen Türkei nicht völlig überraschend zu sein scheint, wenn man bedenkt, dass die Ägäis von seismischen Verwerfungen durchzogen und mit zerstörten Siedlungen übersät ist.

Aber viele seismische Verwerfungen unterbrechen das Netz aus Gebäuden und Straßen nicht nur, sondern verlaufen direkt durch das Zentrum der ehrwürdigsten Strukturen in den antiken Siedlungen. Es gibt bekannte Beispiele, die die Theorie unterstützen, beispielsweise in Delphi selbst, wo ein Heiligtum im Jahr 373 v. Chr. durch ein Erdbeben zerstört wurde, nur um den Tempel direkt auf derselben Verwerfungslinie neu zu errichten.

Es gibt auch viele Geschichten über Personen, die den Status eines Orakels erhielten, indem sie in die Unterwelt hinabstiegen. Einige Kommentatoren argumentieren, dass solche Höhlensysteme oder Grotten, die durch seismische Aktivität entstanden, den Hintergrund für diese Geschichten gebildet haben könnten.

"Ich sage nicht, dass jede ehrwürdige Stätte im Antiken Griechenland auf einer Verwerfungslinie errichtet wurde. Aber während unsere Erfahrungen mit Erdbeben heutzutage alle negativ sind, haben wir immer gewusst, dass sie auf lange Sicht mehr geben als nehmen. Die Alten Griechen waren unglaublich intelligente Menschen, und ich glaube, sie hätten diese Bedeutung erkannt und wollten ihre Bürger davon profitieren lassen", schlussfolgerte Professor Stewart.

Abhandlung: "Seismic faults and sacred sanctuaries in Aegean antiquity" von Iain S. Stewart, Proceedings of the Geologists' Association

Quelle

(THK)

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