Bedeckung des Sterns Aldebaran durch den Mond am 6. November 2017

Der Stern Aldebaran (links) kurz vor der Bedeckung durch den Mond. (Credit: astropage.eu)
Der Stern Aldebaran (links) kurz vor der Bedeckung durch den Mond. (Credit: astropage.eu)

Manchmal muss man als Hobby-Astronom Glück haben – und manchmal hat man tatsächlich Glück. So wie bei der Bedeckung des Sterns Aldebaran durch den Mond in der vergangenen Nacht. Sämtliche Wetterdienste meldeten eine dichte Wolkendecke, die eine Beobachtung des Ereignisses unmöglich gemacht hätte. In diesem Fall lagen die Wetterdienste glücklicherweise aber daneben – jedenfalls regional. Es waren zwar schnell ziehende und teilweise auch sehr dichte Wolken zu sehen, allerdings taten sich dazwischen auch immer wieder größere Lücken auf.

Der Beginn der Sternbedeckung war noch relativ gut zu verfolgen, kurz danach wurden die Wolkenschleier jedoch dichter, so dass kaum noch sinnvolle Beobachtungen möglich waren. Das nebenstehende Bild (hier auf Flickr) zeigt links den Stern Aldebaran, den hellsten Stern im Sternbild Taurus (Stier), etwa 17 Minuten vor Beginn der Bedeckung oder Okkultation, wie es in der Fachsprache heißt. Es handelt sich dabei um ein Einzelframe, daher gibt es bedingt durch die Luftunruhe Abstriche bei der Schärfe. Die Helligkeit und Sättigung und Kontrast wurden erhöht, um den Stern besser sichtbar zu machen. Kurz nach der Aufnahme zogen erneut flockige Wolken durch.

Erst kurz vor Beginn der Bedeckung befand sich der Mond erneut in einer größeren Wolkenlücke, die zumindest wenige Minuten klare Sicht versprach. Das nachfolgend eingebundene Video ist in Echtzeit aufgenommen und zeigt, wie sich der Stern scheinbar langsam auf den Mondrand zubewegt und dann plötzlich verschwindet. Zum Einsatz kam ein kleines Maksutov-Teleskop mit 90 Millimetern Öffnungsdurchmesser und 1.250 Millimetern Brennweite auf einer manuell nachgeführten, alten Astro-3-Montierung. Das Video wurde mit einer Kamera für Mond- und Planetenfotografie aufgezeichnet – im Prinzip also mit Webcam-Technologie, nur deutlich empfindlicher.

Solche Ereignisse sind nicht nur faszinierend anzuschauen, sondern haben durchaus auch einen wissenschaftlichen Nutzen. Die exakte Verfolgung von Sternbedeckungen half zum Beispiel bei der Bestimmung der Mondbahn-Parameter oder bei Höhenmessungen der Mondberge.

Da das kleine Teleskop sowieso gerade aufgebaut war, bot es sich förmlich an, auch ein paar Mond-Details aufzunehmen, bevor die Wolkendecke wieder dichter wurde. Aus Zeitgründen sind hier aber nur Regionen an der Tag-Nacht-Grenze zu sehen, wo die kontrastreichen Spiele aus Licht und Schatten besonders eindrucksvoll waren.

Mond vom 6. November 2017. (Credit: astropage.eu)
Mond vom 6. November 2017. (Credit: astropage.eu)

Oben: Auf dem Bild (hier auf Flickr) ist rechts das Mare Crisium zu sehen. Direkt darüber liegt der bei dieser Mondphase ebenfalls sehr auffällige Krater Cleomedes mit einem Durchmesser von ungefähr 126 Kilometern. Mittig am oben Bildrand liegt der Krater Posidonius, der mit 96 Kilometern Durchmesser deutlich kleiner ist. Die dunkle Region im unteren linken Teil des Bildes ist das Mare Tranquillitatis.

Mond vom 6. November 2017. (Credit: astropage.eu)
Mond vom 6. November 2017. (Credit: astropage.eu)

Oben: Südlich des Mare Crisum liegen mehrere große Krater, die bei dieser Mondphase einen schönen Anblick nahe der Tag-Nacht-Grenze bieten: Oben Langrenus (133 Kilometer Durchmesser), darunter Vendelinus (147 Kilometer Durchmesser), gefolgt von Petavius (177 Kilometer Durchmesser) und Furnerius (126 Kilometer Durchmesser). Bei Langrenus und Petavius sind ihre mächtigen Zentralberge gut erkennbar. Zum Bild auf Flickr.

Wie das obige Video veranschaulicht, war das Seeing, also die Luftunruhe, nicht sehr günstig für Detailbilder. Beide Bilder basieren auf gestackten Videodaten, die per Software analysiert und bearbeitet wurden, so wie hier im Tutorial für Mondfotografie mit einer Planetenkamera beschrieben.

(THK)

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