Mondbilder: Der Einfluss des Seeings am praktischen Beispiel

Unterschiede der Bildqualität bei akzeptablem und ungünstigem Seeing. (Credit: astropage.eu)
Unterschiede der Bildqualität bei akzeptablem und ungünstigem Seeing. (Credit: astropage.eu)

Seeing – ein Begriff, den astronomisch interessierte Beobachter und Fotografen nur allzu gut kennen. Aber wie wirken sich diese Turbulenzen in der Erdatmosphäre denn nun auf die Bildqualität und Schärfe aus? In diesem Artikel wird ein direkter Vergleich am Mond angestellt: Zweimal dasselbe Setup, zweimal ähnliche Transparenz, aber einmal akzeptables Seeing und einmal eher durchwachsenes Seeing.

Das Setup bestand aus einem kleinen Maksutov-Teleskop mit 90 Millimetern Öffnungsdurchmesser und 1.250 Millimetern Brennweite, kurz Mak 90/1250, sowie einer ALccd5L-IIc Planetenkamera. Die Aufnahme und Nachbearbeitung der Videodaten erfolgte ebenfalls mit derselben Vorgehensweise, wie sie in diesem Tutorial beschrieben wird. Der Himmel war in den beiden aufeinanderfolgenden Nächten wolkenlos, die Transparenz war also gut. Unterschiede in der Bildqualität und Schärfe sind demnach auf den Einfluss der Luftunruhe zurückzuführen. Und diese Unterschiede sind beachtlich, wie man in der Originalauflösung der beiden Bilder (hier und hier auf Flickr) sehen kann. Das Vergleichsbild (das Titelbild des Artikels) gibt es hier in der Originalauflösung.

Bild 1 – akzeptables Seeing am 5. Februar 2018

Mond Mosaik vom 5. Februar 2018, akzeptables Seeing. (Credit: astropage.eu)
Mond Mosaik vom 5. Februar 2018, akzeptables Seeing. (Credit: astropage.eu)

Bild 2 – durchwachsenes Seeing am 6. Februar 2018

Mond Mosaik vom 6. Februar 2018, ungünstiges Seeing. (Credit: astropage.eu)
Mond Mosaik vom 6. Februar 2018, ungünstiges Seeing. (Credit: astropage.eu)

Was kann man tun, um die Bildqualität und -schärfe zu verbessern?

  • Warten, bis das anvisierte Objekt möglichst hoch am Himmel steht: Die Luft ist in Horizontnähe meist unruhiger, und das Licht muss eine längere Strecke in der Erdatmosphäre zurücklegen.
  • Brennweite reduzieren: Genau wie das anvisierte Objekt werden auch die Luftturbulenzen durch höhere Brennweiten mitvergrößert. Wird die Brennweite reduziert, erscheint das Ziel zwar kleiner, aber die Turbulenzen sind ebenfalls weniger auffällig und können so zu einem schärferen Ergebnis führen.
  • Die Menge der verfügbaren Daten deutlich erhöhen: Je mehr Daten für die Weiterverarbeitung verwendet werden, desto besser lässt sich die Luftunruhe herausmitteln. (Bei schnell rotierenden Objekten wie Jupiter gilt dies nur eingeschränkt, weil die rasche Drehung dann bei der Weiterverarbeitung berücksichtigt werden muss. Autostakkert tut das nicht)
  • Belichtungszeit verringern: Je kürzer die Belichtungszeit, desto besser können Turbulenzen herausgemittelt werden. Da auf diese Weise die Datenrate erhöht wird, können in der gleichen Zeit mehr Daten gesammelt werden (sofern die Technik das erlaubt), siehe oben. Je nach verwendeter Optik muss im Gegenzug aber gegebenenfalls die Empfindlichkeit (Gain) erhöht werden, was zu stärkerem Rauschen führt.

Welche Möglichkeiten zur Verbesserung in Frage kommen, muss jeder Fotograf situationsbedingt entscheiden. Manchmal ist das Seeing so schlecht, dass nichts davon eine sichtbare Verbesserung bringen würde. Vielleicht entscheidet er sich dann dafür, einfach den Anblick am Himmel zu genießen, ohne technische Hilfsmittel 🙂

(THK)

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