Mathematik ist der rote Faden durch die “Strawberry Fields” der Beatles

Professor Jason Brown. (Image courtesy of Dalhousie University)
Professor Jason Brown. (Image courtesy of Dalhousie University)

“Let me take you down, because I’m going to Strawberry Fields, nothing is real…” Die seltsame Melodie des Beatlessongs “Strawberry Fields Forever” wurde erst durch die Verwendung von neuartigen Aufnahme- und Schnitttechniken ermöglicht, die für diese Zeit bahnbrechend waren. Die Fans der Beatles hätten vermutlich nicht einmal bemerkt, dass darin zwei verschiedene Aufnahmen in unterschiedlicher Tonlage und Geschwindigkeit zusammengebracht wurden, wenn nicht der hauseigene “Sherlock of Rock” der Dalhousie University (Halifax, Kanada) – Mathematikprofessor Jason Brown – die Ermittlungen in diesem Fall übernommen hätte.

John Lennon komponierte Strawberry Fields Forever im Jahr 1966 während eines Urlaubs in Spanien. Bei der Rückkehr ins Studio wurde der Song dann in mehreren Versionen aufgenommen. Normalerweise wäre das keine große Sache, doch in diesem Fall waren die beiden Versionen, die John Lennon am Besten gefielen, leider in zwei verschiedenen Tonarten und Tempos.

Der Produzent der Beatles, George Martin, befand sich dadurch in einem Dilemma, weil die Möglichkeiten wegen mangelnder ausgeklügelter Aufnahmetechniken sehr begrenzt waren. Mit all dem heutigen Schnickschnack in Aufnahmestudios wäre es viel einfacher gewesen, Tonhöhe und Tempo unabhängig von einander regeln zu können, doch damals konnte Martin lediglich die Geschwindigkeit der Aufnahme verändern.

Wenn man die Geschwindigkeit einer Version erhöhte, würden sowohl Tonhöhe als auch Tempo zunehmen, eine Verlangsamung der Geschwindigkeit dagegen würde auch Tonhöhe und Tempo der anderen Version vermindern. Sir George hatte sich letztendlich dafür entschieden, Take 1 zu beschleunigen und Take 2 zu verlangsamen (beziehungsweise Take 7 und 26 für die “Stirb langsam”-Fans) und sie dann zusammen zu mischen, um die Unterschiede zu kompensieren.

Der begeisterte Gitarrist und Professor im Fachbereich Mathematik der Dalhousie University, Dr. Brown, ist ein großer Fan der Fab Four. Er erregte bereits 2008 international Aufmerksamkeit, als er mit Hilfe mathematischer Berechnungen das Rätsel hinter dem Eröffnungsakkord von A Hard Day’s Night löste. Jetzt untersuchte er zusammen mit Robert Dawson, einem Mathematikprofessor der Saint Mary’s University, die Geheimnisse von Strawberry Fields Forever in einer Studie, die von der Canadian Mathematical Society veröffentlicht wurde.

Der Durchschnittshörer wäre vermutlich nicht fähig dazu, die Überarbeitung in Strawberry Fields Forever zu entdecken, wenn er nicht gerade einen sehr ausgeprägten Sinn für Rhythmik besitzt. “Der Schnitt ist so gut angeglichen, das es bei den meisten Leuten funktioniert. Er stellt die geschickte Lösung eines komplexen Problems dar. Das Endergebnis war zwar nicht perfekt, doch es war sicherlich gut genug”, so Dr. Brown.

Als er Rhythmik und mathematische Eigenschaft der Melodie erkannte hatte, konnte Dr. Brown eine mathematische Formel herausarbeiten, die das musikalische Problem von George Martin wiedergab. Die Formel bestätigte die Überarbeitung: sie stimmte nicht perfekt überein, aber sie funktionierte.

Wenn man diese Gleichung zur Berechnung nimmt, wäre die einzige Möglichkeit, den Song absolut rhythmisch präzise zu bekommen, dass man ihn auf ein Tempo von 43 Schlägen pro Minute verlangsamt. Dies hätte die originale 4-Minuten-Version der Aufnahme allerdings zu einem 8-minütigen Klagelied ausgedehnt.

Quelle: http://dalnews.dal.ca/2011/02/23/strawberry.html?utm_source=home&utm_medium=hottopic&utm_campaign=dalnews

(SOM)

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