Geologen stellen Orthoversionstheorie über die Entstehung von Superkontinenten vor

Vorhersage der Kontinentalverschiebung gemäß der Orthoversionstheorie (Yale University / Ross N. Mitchell)
Vorhersage der Kontinentalverschiebung gemäß der Orthoversionstheorie (Yale University / Ross N. Mitchell)

Geologen der Yale University haben eine neue Theorie vorgeschlagen, um die Entstehung von Superkontinenten zu beschreiben, den umfassenden Prozess, infolgedessen sich die Hauptkontinente der Erde zu einer einzigen ausgedehnten Landmasse vereinigen. Das neue Modell fordert in radikaler Weise die gängigen Theorien darüber heraus, wie Superkontinente entstehen könnten.

In einer am 9. Februar im Journal Nature veröffentlichten Abhandlung stellen die Forscher der Yale University einen Prozess namens Orthoversion vor, in dem jeder nachfolgende Superkontinent 90 Grad vom geografischen Zentrum seines Vorgängers entfernt Gestalt annimmt. Laut dieser Theorie werden der heutige Arktische Ozean (auch Nordpolarmeer genannt; Anm. d. Red.) und die heutige Karibik verschwinden, wenn sich Nord- und Südamerika während einer gemeinsamen, nordwärts gerichteten Wanderung vereinen, welche zu einer Kollision mit Europa und Asien führt.

“Wenn sich diese Gewässer verengen, sind wir auf dem Weg zum nächsten Superkontinent”, sagte Ross N. Mitchell, Doktorand an der Yale University und Erstautor der Studie. “Nord- und Südamerika würden sich praktisch am Nordpol mit Eurasien treffen.”

Die Forscher spekulieren in der Studie nicht, wann der nächste Superkontinent – nach seiner Vereinigung von Amerika mit Eurasien Amasia genannt – entstehen wird, aber das Ereignis liegt Mitchell zufolge in weiter Ferne, zwischen 50 Millionen und 200 Millionen Jahre in der Zukunft.

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Video-Link: https://youtu.be/AHP8dFeIirc

Mögliche Kontinentalverschiebung in der Zukunft, basierend auf dem Orthoversionsmodell (Yale University / Ross N. Mitchell)

Die neue Theorie steht den Standardtheorien über die Bildung von Superkontinenten, Introversion und Extroversion, gegenüber, welche besagen, dass Superkontinente entweder Null oder 180 Grad vom geografischen Zentrum des vorangegangenen Superkontinents entfernt entstehen. In diesen früheren Theorien wird der Atlantische Ozean verschwinden und das Zentrum des nächsten Superkontinents wird mehr oder weniger in demselben Gebiet wie das Zentrum des letzten Superkontinents (das heutige Afrika) liegen. Oder der Pazifische Ozean wird verschwinden und der nächste Superkontinent wird sich mit einem Zentrum auf der gegenüber liegenden Seite des Globus bilden.

Mitchell und seine Kollegen kamen zu der neuen Theorie nach einer umfangreichen Analyse des Magnetismus frühzeitlicher Gesteine. Nachdem jeder historische Superkontinent zusammenfand, machte er eine Reihe Hin- und Her-Drehungen um eine stabile Achse entlang des Äquators durch. Das Yale-Team zeigte, dass die Achsen von einem Superkontinent zum Nächsten um 90 Grad gegeneinander verschoben waren, was mit der Orthoversion übereinstimmt, aber nicht mit der Introversion oder Extroversion.

“Diese Art Analyse bietet uns eine Möglichkeit, Kontinente in geografischer Breite und Länge anzuordnen und gibt uns ein besseres Verständnis von Mustern der biologischen Verbreitung und der Dynamik im tiefen Erdinneren”, sagte Taylor M. Kilian, Doktorand an der Yale University und Zweitautor der Studie.

Der letzte Superkontinent, Pangäa, entstand vor 300 Millionen Jahren mit Afrika in seinem Zentrum. Einhundert Millionen Jahre später begann er mit der Geburt des Atlantischen Ozeans in die sieben heutigen Kontinente auseinanderzubrechen. Wissenschaftler glauben, dass Pangäa der dritte oder vierte Superkontinent in der Geschichte der Erde war. Seine direkten Vorgänger waren Rodinia (der vor einer Milliarde Jahren entstand) und Nuna (der sich vor 1,8 Milliarden Jahren formte). Der Senior-Autor der Studie, Professor David A. D. Evans von der Yale University, hat die meiste Zeit seiner Karriere dem Studium der internen Anordnungen der irdischen Kontinentalblöcke gewidmet.

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Video-Link: https://youtu.be/N6-no_Hg94c

Mögliche Kontinentalverschiebung in der Zukunft, basierend auf einer alternativen Theorie (Yale University / Ross N. Mitchell)

In dem Orthoversions-Modell würde entweder Asien oder Nordamerika das Zentrum von Amasia in einem derzeit vom Arktischen Ozean besetzten Gebiet werden. Eine neu entstandene Gebirgskette würde sie verbinden.

“Solche Spekulationen für die ferne Zukunft können natürlich nicht überprüft werden, indem man etwa 100 Millionen Jahre wartet”, sagte Evans, “Aber wir können diese aus alten Superkontinenten abgeleiteten Gefüge verwenden, um tiefgründig über die aktuelle menschliche Existenz in Zeit und Raum innerhalb des großen tektonischen Tanzes der Erde nachzudenken”

Die National Science Foundation unterstützte die Forschungsarbeit.

Quelle: http://news.yale.edu/2012/02/08/next-supercontinent-forms-arctic-ocean-caribbean-will-vanish-first

(THK)

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