Astro-Bild der Woche: Der massereiche Galaxienhaufen “El Gordo”

Der Galaxienhaufen "El Gordo" in einer Aufnahme aus kombinierten Daten des Very Large Telescope, des Weltraumteleskops Chandra und des SOAR Telescope. (ESO / SOAR / NASA)
Der Galaxienhaufen "El Gordo" in einer Aufnahme aus kombinierten Daten des Very Large Telescope, des Weltraumteleskops Chandra und des SOAR Telescope. (ESO / SOAR / NASA)

Das Erscheinungsbild dieses Objekts ähnelt dem Aussehen eines Kometen, aber die Dimensionen sind viel gewaltiger. Es handelt sich nicht um einen Kometen, sondern um einen Galaxienhaufen im südlichen Sternbild Phoenix, genauer gesagt um den Galaxienhaufen ACT-CL J0102-4915, der von seinen Entdeckern den Spitznamen “El Gordo” (“Der Große” oder “Der Dicke”) bekam. Das rund sieben Milliarden Lichtjahre entfernte Objekt besteht eigentlich aus zwei Galaxienhaufen, die sich mitten in einem Kollisionsprozess befinden.

Astronomen entdeckten El Gordo mit Hilfe des Atacama Cosmology Telescope, das den kosmischen Mikrowellenhintergrund beobachtet. Geringe Unregelmäßigkeiten in der kosmischen Hintergrundstrahlung können auf Wechselwirkungen mit sehr massereichen und gashaltigen Objekten hindeuten, zum Beispiel Galaxienhaufen. Aufgrund dieser Unregelmäßigkeiten fand man den bis dato unbekannten Galaxienhaufen und stellte nachfolgende Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) und dem von der NASA betriebenen Röntgenteleskop Chandra an. Mit dem VLT konnten die Astronomen die Geschwindigkeiten einiger an der Kollision beteiligten Galaxien bestimmen, während Chandra die Röntgenemissionen des extrem heißen Gases innerhalb des Galaxienhaufens beobachtete.

El Gordo ist der bislang größte und massereichste Galaxienhaufen, der in einer derart weiten Entfernung von der Erde entdeckt wurde. Die Beobachtungen lassen darauf schließen, dass die Entstehung und zeitliche Entwicklung des gigantischen Objekts durchaus mit den gängigen kosmologischen Modellen im Einklang steht, nach denen das Universum durch den so genannten Urknall entstand und vornehmlich aus der nach wie vor sehr rätselhaften Dunklen Materie und der Dunklen Energie besteht. Die Untersuchung von Galaxienhaufen wie El Gordo hilft dabei, der Natur dieser nicht direkt nachweisbaren Dunklen Materie und Dunklen Energie auf die Spur zu kommen.

Eine größere Version der Aufnahme gibt es unter:
http://www.eso.org/public/archives/images/large/eso1203a.jpg

Anmerkung der Redaktion
Die anderen drei Vorschläge für das Astro-Bild der Woche waren:
Bild 1: Der Quasar HE 1013-2136
Bild 2: Das Staubband der Galaxie Centaurus A
Bild 4: Das Zentrum der Milchstraße

(THK)

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