Der Supermond und die kaum zu erfüllenden Erwartungen an ihn

Fast-Vollmond am Abend des 13.11.2016. (astropage.eu)
Fast-Vollmond am Abend des 13.11.2016. (astropage.eu)

Tada, es ist mal wieder Supermond, diesmal wird er sogar als Jahrhundertereignis angekündigt. Aber sind all die reißerischen Berichte über die Einzigartigkeit und den anscheinend zu erwartenden höchst spektakulären Anblick, wie sie derzeit durch die Medien geistern, gerechtfertigt? Nein, eher nicht. Und warum nicht?

Um diese Frage zu beantworten, bedarf es zunächst ein paar wichtiger Hintergrundinformationen zum Erde-Mond-System. Der Mond bewegt sich nicht auf einer exakten Kreisbahn um die Erde, sondern beschreibt auf seinem Weg um unseren Heimatplaneten eine elliptische Bahn. Das bedeutet zwangsläufig, dass es auf seiner Umlaufbahn einen erdnächsten Punkt und einen erdfernsten Punkt geben muss. Ersterer wird Perigäum genannt, letzterer wird als Apogäum bezeichnet.

Der Mond benötigt etwa 28 Tage für eine vollständige Umkreisung der Erde. Dabei durchläuft er alle Phasen von Neumond über den zunehmenden Mond und den Vollmond bis zum abnehmenden Mond. Einmal alle 28 Tage hat er logischerweise auch den erdnächsten Punkt seiner Umlaufbahn erreicht. Fallen die Vollmondphase und die Position am erdnächsten Punkt zusammen, spricht man von einem Supermond. Das heißt, hauptsächlich sprechen die Medien davon – und meist noch sehr spektakulär und reißerisch. Die Astronomen selbst halten sich mit diesem Begriff zurück.

Diese sogenannten Supermonde sind nicht so selten, wie es oft suggeriert wird. Der letzte Supermond fand gerade im vergangenen Oktober statt. Und im kommenden Dezember wird kurioserweise wieder einer stattfinden. Was also macht diesen “Superduperwahnsinnsniewieder”-Vollmond so besonders?

Es ist eine Eigenschaft der Mondbahn: Der Mond ändert seine Entfernung zur Erde nicht nur während eines Umlaufs. Auch seine Umlaufbahn selbst ist nicht fix, sondern verändert im Lauf der Zeit ihre Lage im Raum relativ zur Erde – und damit auch die Positionen (und Entfernungen) des Perigäums und des Apogäums. In der Tat ist es so, dass der Mond uns bei diesem Vollmond so nah ist wie seit dem 16.01.1948 nicht mehr. Seine Entfernung beträgt heute zu diesem Zeitpunkt rund 356.520 Kilometer (gemessen vom Mittelpunkt der Erde bis zum Mittelpunkt des Mondes). Das nächste Mal wird er erst am 25.11.2034 so nahe kommen, streng genommen sogar noch näher.

Also doch ein Superduperwahnsinnsniewieder-Vollmond, den man unbedingt gesehen haben muss. Jein. Das ist Ansichtssache – im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist richtig, dass der Vollmond etwas größer und auch heller erscheint als sonst, aber der Unterschied ist marginal. Geübte Beobachter werden es vielleicht mit dem bloßen Auge registrieren können. Der Unterschied beispielsweise zum letzten Supermond vom vergangenen Oktober wird jedoch kaum auffallen, vor allem dann nicht, wenn man den Mond nicht regelmäßig beobachtet und etwas Erfahrung mitbringt.

Für Detailaufnahmen der Oberfläche mit hohen Brennweiten eignet sich der Vollmond ohnehin nicht sehr gut, völlig unabhängig davon, ob es ein normaler Vollmond ist oder ein Supermond oder ein Superduperwahnsinnsniewieder-Vollmond. Aber dank der charakteristischen Lichtstimmungen, die er auf die Landschaften wirft, ist auch dieser Supermond sicherlich einen Blick wert – so wie jeder andere Vollmond auch. Man sollte den Anblick genießen, aber nicht enttäuscht sein, wenn er nicht so spektakulär aussieht, wie es in den Medien angekündigt wurde.

(THK)

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