Astro-Bild der Woche: Die interagierenden Galaxien NGC 1531 und NGC 1532

Die wechselwirkenden Galaxien NGC 1531 (oben) und NGC 1532 (unten), aufgenommen vom Danish 1,54-Meter-Teleskop der Europäischen Südsternwarte in Chile. (ESO / IDA / Danish 1.5 m / R.Gendler and J.-E. Ovaldsen)
Die wechselwirkenden Galaxien NGC 1531 (oben) und NGC 1532 (unten), aufgenommen vom Danish 1,54-Meter-Teleskop der Europäischen Südsternwarte in Chile. (ESO / IDA / Danish 1.5 m / R.Gendler and J.-E. Ovaldsen)

Wechselwirkende Galaxienpaare wie die hier abgebildeten Galaxien NGC 1531 und NGC 1532 gehören sicherlich zu den eindrucksvollsten Objekten, die man im Universum beobachten kann. Sie befinden sich ungefähr 50 Millionen Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt in Richtung des Sternbildes Eridanus am Himmel über der südlichen Hemisphäre.

Die größere der beiden Galaxien, NGC 1532, ist eine Spiralgalaxie mit einem Durchmesser von circa 180.000 Lichtjahren. Damit ist sie deutlich größer als unsere eigene Milchstraßen-Galaxie, deren Durchmesser auf 100.000-120.000 Lichtjahre geschätzt wird. Bei ihrer Begleiterin mit der Katalogbezeichnung NGC 1531 handelt es sich um eine wesentlich kleinere, linsenförmige Galaxie. Sie wirkt mit etwa 20.000 Lichtjahren Durchmesser geradezu zwergenhaft im Vergleich zu ihrer Partnerin.

Die Aufnahme wurde mit dem Danish 1,54-Meter Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) gemacht. Das Teleskop gehört zum La-Silla-Observatorium auf dem Gipfel des gleichnamigen Berges in der chilenischen Atacama-Wüste. Obwohl es im Vergleich zu den Großteleskopen der ESO recht klein ist, kann es gewissermaßen als Arbeitstier betrachtet werden, mit dessen Hilfe den Astronomen bereits zahlreiche Erstentdeckungen gelungen sind.

Die beiden Galaxien interagieren miteinander durch ihre immensen Gravitationskräfte. Die wirkenden Kräfte sind so gewaltig, dass sie sichtbare Deformierungen an den Galaxien verursachen: Man kann erkennen, dass ein Spiralarm von NGC 1532 stark nach oben verzerrt ist. Außerdem sind oberhalb der galaktischen Ebene von NGC 1532 große Gas- und Staubwolken zu sehen, die aus der Galaxie herausgerissen wurden.

Ein weiteres Indiz für die starken gravitativen Wechselwirkungen zwischen den beiden Galaxien sind die vielen Regionen, in denen vermehrt Sternentstehungsprozesse stattfinden, sogenannte Starbursts. Die Ursache liegt in den Schockwellen, die durch den Gravitationstanz verursacht werden und die die beteiligten Galaxien durchlaufen. Die Schockwellen können Gas- und Staubwolken destabilisieren, so dass sie ihrerseits unter ihrer eigenen Schwerkraft kollabieren und beginnen, einen Protostern zu bilden. Dieser Prozess kann örtlich sehr intensiv und häufig ablaufen, wodurch ausgedehnte Sternentstehungsregionen entstehen. Die jungen und massereichen Sterne, die in diesen Regionen gebildet werden, leuchten sehr hell. Auf dem Bild fallen die Sternentstehungsregionen als violette Gebiete in den Spiralarmen von NGC 1532 auf.

Derart massereiche Sterne besitzen im Gegensatz zu sonnenähnlichen Sternen eine relativ kurze Lebensdauer von nur wenigen Millionen Jahren. Haben sie ihren Brennstoff im Kern verbraucht, explodieren sie als Supernova und erzeugen durch die Explosion neue Schockwellen, die benachbarte Gaswolken destabilisieren können. So kann auch der Tod eines Sterns die Geburt vieler anderer Sterne nach sich ziehen.

Die Beobachtung interagierender Galaxien ist in der Kosmologie von großer Bedeutung, weil sie die Entwicklung großräumiger Strukturen wie Galaxiengruppen, Galaxienhaufen und Supergalaxienhaufen auf lange Sicht maßgeblich mitbeeinflussen. Aber auch unser Wissen über die Entwicklung der Galaxien selbst und die Entstehung möglicher Sonnensysteme wie unserem wird durch solche Beobachtungen ergänzt.

Eine größere Version der Aufnahme gibt es unter:
http://cdn.eso.org/images/large/ngc1532.jpg

Anmerkung der Redaktion
Die anderen drei Vorschläge für das Astro-Bild der Woche waren:
Bild 2: wird nächste/übernächste Woche zum Astro-Bild (Stimmengleichstand)
Bild 3: wird nächste/übernächste Woche zum Astro-Bild (Stimmengleichstand)
Bild 4: Das interagierende Galaxienpaar Arp 261

(THK)

Werbung

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*