Jahrzehnte alte Bernsteinsammlung bietet neue Einblicke in eine urzeitliche Welt

Ein Exemplar aus der Sammlung des Illinois Natural History Survey. Die Bernsteinfragmente sind etwa 20 Millionen Jahre alt und enthalten eine Vielzahl verschiedener Tier- und Pflanzenarten. (Photo courtesy of Kaitlin and Kevin Southworth)
Ein Exemplar aus der Sammlung des Illinois Natural History Survey. Die Bernsteinfragmente sind etwa 20 Millionen Jahre alt und enthalten eine Vielzahl verschiedener Tier- und Pflanzenarten. (Photo courtesy of Kaitlin and Kevin Southworth)

Wissenschaftler sichten eine umfangreiche Sammlung 20 Millionen Jahre alter Bernsteinfunde, die vor 50 Jahren in der Dominikanischen Republik entdeckt wurden, und ihre Bemühungen bieten neue Einblicke in die urzeitlichen, tropischen Insekten und in die Welt, die sie bewohnten. Wenn die Sammlung vollständig kuratiert ist – eine Aufgabe, die viele Jahre dauern wird -, werde sie die größte, unvoreingenommene Sammlung der Welt sein, berichten die Forscher.

Die bislang erstaunlichste Entdeckung ist vielleicht die einer Pygmäenheuschrecke. Das ist ein winziger Grashüpfer von der Größe eines Rosendorns, der vor etwa 18-20 Millionen Jahren lebte und sich von Moos, Algen und Pilzen ernährte. Das Exemplar ist bemerkenswert, weil es ein evolutionäres Zwischenstadium im Leben dieser Unterfamilie von Heuschrecken namens Cladonotinae darstellt. Die ältesten Vertreter dieser Gruppe besaßen Flügel, während ihre heutigen Pendants keine haben. Die neu entdeckte Heuschrecke scheint rudimentäre Flügel zu besitzen – übrig gebliebene Strukturen, die bereits ihre Hauptfunktion verloren hatten. Die Entdeckung wurde im Journal ZooKeys veröffentlicht.

“Grashüpfer werden sehr selten in Bernstein gefunden und dieses Exemplar ist außergewöhnlich gut erhalten”, sagte Sam Heads, ein Paläontologe des Illinois Natural History Survey, einer Abteilung des Prairie Research Institute an der University of Illinois in Urbana-Champaign.

Heads, der Labortechniker Jared Thomas und der Co-Autor Yinan Wang fanden das Exemplar ein paar Monate nach Beginn ihres Projekts, in dessen Rahmen sie mehr als 160 Pfund dominikanischen Bernsteins sichten werden. Die Bernsteinfunde wurden in den späten 1950er Jahren von dem früheren INHS-Entomologen Milton Sanderson gesammelt. Sanderson beschrieb verschiedene Exemplare aus der Sammlung in einer Abhandlung, die 1960 im Journal Science erschien. Der Bericht inspirierte eine Generation von Wissenschaftlern, um auszuschwärmen und dominikanischen Bernstein zu untersuchen, sagte Heads. Der Großteil der Sanderson-Bernsteinsammlung verblieb allerdings im Lager, bis Heads ihn im Jahr 2010 aufdeckte.

Heads gab der neuen Pygmäenheuschrecke die Bezeichnung Electrotettix attenboroughi. Der Genus ist eine Kombination aus electrum (Latein aus dem Altgriechischen, was so viel wie “Bernstein” bedeutet) und tettix (was auf Griechisch “Grashüpfer” bedeutet). Die Spezies ist nach Sir David Attenborough benannt, einem britischen Naturforscher und Filmemacher (nicht zu verwechseln mit Richard Attenborough, Davids schauspielendem Bruder, der in dem Film “Jurassic Park” auftrat).

“Sir David hat ein persönliches Interesse an Bernstein und er war auch einer meiner Kindheitshelden. Er ist noch immer einer meiner Helden und deswegen entschied ich, die Spezies ihm zu Ehren zu benennen – natürlich mit seiner Erlaubnis”, sagte Heads.

Die Sichtung des Bernsteins ist zeitaufwändig und mühevoll. Viele Exemplare sind durch Oxidation getrübt und die Forscher müssen sorgfältig “Fenster” hineinschneiden und polieren, um einen guten Blick in das Innere werfen zu können. Neben der Pygmäenheuschrecke haben Heads und seine Kollegen auch sich paarende Fliegen, stachellose Bienen, Gallmücken, Atzteken-Ameisen, Wespen, Borkenkäfer, Milben, Spinnen, Pflanzenteile und sogar ein Säugetierhaar gefunden.

Die Pygmäenheuschrecke wurde in einem Bernsteinfragment eingeschlossen, das auch Wespen, Ameisen, Mücken, Pflanzenreste und Pilze enthielt. Solche Gruppen liefern viele Informationen und bieten Anhaltspunkte über die physiologischen Bedürfnisse der Lebewesen und die Natur ihrer Habitate.

“Fossile Insekten können viele Einblicke in die Entwicklung spezifischer Merkmale und Verhaltensweisen geben und sie verraten uns auch etwas über die Geschichte der Zeitperiode”, sagte Heads. “Sie sind eine umfangreiche Quelle, um die urzeitliche Welt, urzeitliche Ökosysteme und das urzeitliche Klima zu verstehen – vielleicht sogar besser als Dinosaurierknochen.”

Die National Science Foundation unterstützt diese Forschungsarbeit. Heads und seine Kollegen digitalisieren die besten Exemplare und werden die Bilder auf eine öffentlich zugängliche Website hochladen. (Anm. d. Red.: Bilder der eingeschlossenen Pygmäenheuschrecke sind in der Originalabhandlung zu sehen.)

Quelle: http://news.illinois.edu/news/14/0730amberfossils_SamHeads.html

(THK)

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