Das Internationale Teleskoptreffen Vogelsberg ITV 2018

Sternstrichspuren auf dem Internationalen Teleskoptreffen Vogelsberg ITV 2018 (Credits: astropage.eu)
Sternstrichspuren auf dem Internationalen Teleskoptreffen Vogelsberg ITV 2018 (Credits: astropage.eu)

Auch dieses Jahr haben wir wieder am größten Teleskoptreffen Europas teilgenommen, dem Internationalen Teleskoptreffen Vogelsberg, kurz ITV. Aufgrund der nach wie vor unklaren Rechtslage bezüglich der bald verbindlich geltenden Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und der Erstellung von Fotografien mit erkennbaren Personen haben wir in diesem Jahr jedoch völlig auf die “Stimmungsbilder” verzichtet, so dass der Artikel entsprechend kürzer ausfällt. Wir hoffen, dass die Rechtssicherheit im kommenden Jahr wiederhergestellt wird, denn Fotos sagen bekanntlich mehr als tausend Worte. So bleiben uns an dieser Stelle nur Worte (und ein paar eigene Astro-Bilder), um das nette Miteinander auf dem ITV zu beschreiben.

Da wir immer ein paar Tage vor dem offiziellen Beginn des Teleskoptreffens anreisen, bleibt genug Zeit, um sich an das Campingleben zu gewöhnen und alte Bekannte zu begrüßen. In gemütlicher Runde wird fachgesimpelt und natürlich auch mal über astronomiefremde Themen gequatscht. Eines dieser astronomiefremden Themen war der unfassbar schlechte Internetempfang auf dem Campingplatz in Gedern. Interessierten Lesern, die regelmäßig die Wissenschaftsnews und Astrofoto-Beiträge hier verfolgen, dürfte nicht entgangen sein, dass plötzlich ein paar Tage lang völlige Funkstille herrschte. Dies war dem Umstand geschuldet, dass es im Gegensatz zu den vergangenen Jahren leider kein WLAN am Kiosk gab. Der Pächter hatte gewechselt und der neue Pächter hatte kein WLAN eingerichtet, so dass wir internetmäßig von der Außenwelt abgeschnitten waren und nichtmal einen kurzen Hinweis posten konnten.

Wenigstens war das Wetter gut – sogar so gut, um es als Schönwetterkatastrophe zu bezeichnen (die dritte hintereinander). In den ersten drei Nächten war es allerdings sehr windig, so dass wir nur ein paar Sternstrichspuren (hier auf Flickr) mit der Kamera auf dem Stativ machen konnten und das Teleskopequipment noch eingepackt blieb.

Thomas und Rosa, die wir auf dem letzten ITV kennengelernt hatten, gefiel es damals offenbar so gut, dass sie das Teleskoptreffen für einen mehrtägigen Kurzurlaub nutzten und mitsamt Kameraausrüstung öfter bei uns vorbeischauten, um gemeinsam ein paar Astro-Bilder zu machen. Selbstverständlich durften die obligatorischen Fachsimpeleien über Kameratechnik und die Vorgehensweisen bei der Erstellung von Astro-Bildern auch hier nicht fehlen. Die Tipps wurden teilweise noch an Ort und Stelle umgesetzt – Thomas zufolge sehr zufriedenstellend.

Der Ringnebel M57 im Sternbild Leier. (Credits: astropage.eu)
Der Ringnebel M57 im Sternbild Leier. (Credits: astropage.eu)

Die Windböen fielen nach und nach immer schwächer aus, was uns die Möglichkeit gab, das Teleskopequipment aufzubauen, einzurichten und endlich auch mal fotografisch zu nutzen. Das obenstehende Bild ist das Ergebnis einer kurzen Aufnahmesession. In der Bildmitte ist der berühmte Ringnebel M57 zu sehen, ein planetarischer Nebel im Sternbild Lyra (Leier). Der Begriff “Planetarischer Nebel” ist jedoch missverständlich, da diese Objekte nichts mit Planeten zu tun haben. Sie sahen in den ersten, einfachen Teleskopen nur aus wie winzige Planetenscheibchen, was zu der Bezeichnung führte. Tatsächlich repräsentieren planetarische Nebel das Endstadium im Leben eines sonnenähnlichen Sterns. Wenn dessen Brennstoff langsam zur Neige geht, stößt er seine äußeren Atmosphärenschichten ab, die dann von seinem heißen Kern, einem sogenannten Weißen Zwerg, zum Leuchten angeregt werden. Das obige Bild (hier auf Flickr) basiert auf 44 Einzelaufnahmen mit jeweils vier Minuten Belichtungszeit, die zusammen mit ein paar Dunkelbildern gestackt wurden, um das Bildrauschen zu reduzieren. Die Aufnahmeoptik war ein fotooptimiertes Newton-Spiegelteleskop mit 130 Millimetern Öffnung und 650 Millimetern Brennweite.

In der darauf folgenden Nacht waren die Beobachtungsbedingungen etwas schlechter. Deshalb haben wir keine Langzeitbelichtungen gemacht, sondern Jupiter anvisiert, der momentan zwar recht tief steht, aber auch relativ hell leuchtet und gelegentliches, windbedingtes Wackeln verzeiht. Das unten eingebundene Bild (hier auf Flickr) entstand mit einem Teleskop, das seine Stärken bei der Mond- und Planetenbeobachtung hat. Maksutov-Teleskope, so die Bezeichnung der Bauart, sind Spiegelteleskope, die über eine hohe Brennweite verfügen, was besonders für die Beobachtung von Mond und Planeten von Vorteil ist. In Kombination mit einer Planetenkamera wie hier lassen sich schöne Bilder machen.

Jupiter am 9. Mai 2018. (Credits: astropage.eu)
Jupiter am 9. Mai 2018. (Credits: astropage.eu)

Auch dieses Bild wurde gestackt, in diesem Fall aus einem Video mit knapp 2.000 Einzelbildern. Allerdings werden Planetenbilder nicht gestackt, um das Rauschen zu reduzieren wie bei Deepsky-Aufnahmen, sondern um die störenden Auswirkungen der wabernden Luft möglichst gut herauszumitteln. Bei dieser Aufnahme stand Jupiter sehr tief am Horizont, was die Qualität etwas verschlechtert, dennoch kann man seinen berühmten Großen Roten Fleck erkennen – einen gigantischen Wirbelsturm, der fast doppelt so groß wie die Erde ist.

Das Jupiterbild entstand in der Nacht zum 9. Mai, dem offiziellen Beginn des Teleskoptreffens. Die Zeltwiesen hatten sich bis dahin merklich gefüllt und überall konnte man Teleskope in den verschiedensten Bauarten und Größen bestaunen. Von Schiefspieglern über große und kleine Refraktoren bis hin zu riesigen Newton-Teleskopen in Dobson-Bauweise. Natürlich kommt man mit den Besitzern ins Gespräch, wenn man neugierig über die Wiesen streift. Am Tag davor platzierte sich direkt gegenüber von uns ein Wohnmobil. Uns war sofort klar, dass der Fahrer und seine bessere Hälfte hartgesottene Amateurastronomen sein mussten, denn als allererstes wurde eine ziemlich imposante Montierung aufgebaut. Man muss halt Prioritäten setzen. Und ehe wir uns versahen, wurde aus dem “Sie” wieder das “Du”. Jochen und Ramona hatten einen Zehnzöller und ein Coronado-Sonnenteleskop für H-alpha-Beobachtungen dabei, die in den folgenden Tagen und Nächten ausgiebig genutzt wurden.

Und wie das in der Astro-Gemeinschaft so ist, hilft man sich auch gegenseitig. Jochen interessierte sich zum Beispiel für das Funktionsprinzip einer Bahtinovmaske als Fokussierhilfe. Zufällig hatten wir eine dabei und obwohl sie nicht exakt auf sein Teleskop passte, konnten wir zumindest das Prinzip der Lichtbeugung erklären und wie es als Hilfsmittel zum Fokussieren verwendet wird. Neben vielen Fachsimpeleien fanden wir sogar die Zeit für ein kurzes “Coaching” am Laptop, sprich der Workflow bei der Erstellung von Planeten- und Deepsky-Aufnahmen.

Unser kleines, persönliches Highlight sollte aber erst noch kommen: Ein Überflug der Internationalen Raumstation ISS. Oft wird die ISS in Form einer Strichspur aufgenommen, aber wir wollten die Gelegenheit nutzen und ein paar Detailaufnahmen versuchen, was uns früher schon (mehr oder weniger) gut gelungen war. Nach der Justierung des Teleskops und des Leuchtpunktsuchers richteten wir es zunächst auf einen hellen Stern aus, um den Fokus Unendlich einzustellen. Anschließend schwenkten wir das Teleskop in Richtung Jupiter, um die passenden Einstellungen für die Helligkeit zu finden. Jupiter ist etwas schwächer als die ISS. Wenn man ihn auf den Testbildern gerade noch erkennen kann, sollte die ISS gut zu sehen und nicht völlig überbelichtet sein.

Und dann kam der Moment. Die ISS tauchte am Himmel auf und wir folgten ihr per Leuchtpunktsucher, gleichzeitig liefen die Serienaufnahmen mit der DSLR. Jochen stand hilfreich zur Seite und prüfte auf den Bildern, ob wir sie erwischt hatten. Auf einigen Aufnahmen war sie tatsächlich mit verschiedenen Modulen und den Solarzellensegeln zu erkennen. Ihre hohe Geschwindigkeit am Himmel gepaart mit der hohen Brennweite (hier 1625 Millimeter) zog jedoch eine leichte Bewegungsunschärfe nach sich. Unten ist ein ausgeschnittenes Einzelbild eingebunden (hier auf Flickr). Nicht optimal, aber für die Umstände durchaus akzeptabel. Weitere Versuche werden folgen.

Die Internationale Raumstation ISS beim Überflug am 12. Mai 2018. (Credits: astropage.eu)
Die Internationale Raumstation ISS beim Überflug am 12. Mai 2018. (Credits: astropage.eu)

Am Samstag fand wie jedes Jahr die Prämierung der Selbstbauten statt, die wir – wie bereits erwähnt – dieses Mal aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht mit Bildern dokumentiert haben. Weitere Infos zu den diesjährigen Preisträgern gibt es aber hier.

Fazit: Schönes Wetter (bis auf das heftige Gewitter und den stundenlangen Starkregen am Tag vor der Abreise), viele nette Leute und sehr, wirklich sehr viele lustige Gespräche. Das ITV war wieder ein voller Erfolg. Wir freuen uns auf nächstes Jahr.

Grüße an…
Rosel und Norbert für die Stammplatz-Reservierung und die schönen Gespräche am Platz und beim Essen
Heinrich für die Gespräche (und das Pflaster)
Thomas und Rosa für die netten Gespräche und das leckere Essen
Jochen und Ramona für die lustigen Gespräche (Tut das Not? Ja!)
das MASH, weil ist so
den COMA-Haufen, insbesondere unseren Brötchen-Lieferanten Klaus
alle anderen, mit denen wir beobachtet und uns unterhalten haben

(THK)

 

 

Werbung

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*