Die Grönland-Mission der NASA überrascht auch noch im vierten Jahr

Risse in der Front eines Gletschers beim Erreichen des Ozeans. (Credits: NASA / Adam Klein)
Risse in der Front eines Gletschers beim Erreichen des Ozeans. (Credits: NASA / Adam Klein)

Nur sieben Monate, nachdem die Oceans Melting Greenland (OMG) Mission der NASA ihre letzten Feldstudien auf der weltgrößten Insel durchführte, ist ein OMG-Team zurück auf Grönland, um weitere Daten zu sammeln. Mit jährlich zwei oder drei Feldprojekten seit 2016 ist es kein Wunder, dass die OMG-Mission die bisher umfangreichsten Messungen über die Beeinflussung der schmelzenden Gletscher Grönlands durch plätscherndes Wasser an deren Unterseiten geliefert hat. All diese Daten haben eine Menge bestehender Fragen beantwortet – und viele neue aufgeworfen.

“Wir haben einige wirklich überraschende Ergebnisse gesehen, die darauf hinweisen, dass die Ozeane starke Auswirkungen auf die größten Gletscher Grönlands haben”, sagte Josh Willis vom Jet Propulsion Laboratory in Pasadena (Kalifornien), der leitende Wissenschaftler der OMG-Mission. “Dieses Jahr hoffen wir herauszufinden, ob der Einfluss der Ozeane weit verbreitet ist, oder ob es nur ein paar große Gletscher sind, denen die Meerestemperatur etwas ausmacht.”

Der Ingenieur Ron Muellerschoen vom JPL ist während der schneereichsten Saison die letzten drei Jahre kreuz und quer über Grönland geflogen. Er mag dafür entschuldigt werden, wenn es ihm etwas gleichgültig ist, noch ein paar weitere Wochen in einem Flugzeug über dem Eisschild Grönlands zu verbringen. Aber nein. “Es ist gigantisch. Es ist einfach großartig”, sagte Muellerschoen. “Es wird nie die Zeit kommen, in der ich dort draußen ‘nur Schnee’ sehe. Ich bin wirklich froh, das vier Jahre hintereinander tun zu können.”

Daneben freut sich Muellerschoen auf die technologischen Herausforderungen dieses Jahres. Obwohl er jedes Jahr das Glacier and Ice Surface Topography Interferometer (GLISTIN-A) Radar an Bord einer NASA-Maschine des Typs G-III fliegt, “ist es nie dasselbe”, sagte er. “Wir versuchen immer, die Grenzen dessen zu erweitern, was wir sehen können. Es gibt neue Hardware, neue Konfigurationen zur Installation von Equipment an Bord des Flugzeugs, und wir haben ein neues Aufzeichnungssystem.”

Das GLISTIN-A-Radar kartiert die Ränder der Gletscher entlang der gesamten Küstenlinie der Insel und misst präzise ihre Höhen. Wenn ein Gletscher Eis verliert und schneller wird, zieht er sich in die Länge und wird dünner, so dass seine Oberfläche tiefer liegt als zuvor. Die Höhenmessungen ermöglichen Forschern zu schätzen, wie viel Eis seit der Messung des vorangegangenen Jahres verloren gegangen ist.

Die OMG-Mission misst jeden Herbst auch die Meerestemperaturen nahe der Küstenlinie und hat eine jahresübergreifende Erstellung hochpräziser Karten des Meeresbodens vor der Küste abgeschlossen. Mit diesen kombinierten Datensätzen haben Wissenschaftler ein vollständiges Bild der rund 200 Küstengletscher Grönlands und wie sie auf Veränderungen des Wassers unter ihnen und der Luft über ihnen reagieren.

Das G-III-Flugzeug und seine Besatzung sind am Johnson Space Center der NASA in Houston (Texas) stationiert. Diese Beobachtungskampagne im Frühjahr nutzt zwei Basen: Keflavik auf Island und die Thule Air Base der U.S. Air Force auf Grönland. Die Flüge begannen letzte Woche von Keflavik, um Gletscher im Süden und Osten Grönlands zu kartieren. Die Besatzung wird bald nach Thule wechseln, um den Westen und Norden Grönlands zu beobachten. Die Kampagne wird andauern, bis alle Messungen vollständig sind, abhängig vom Wetter um den 20. März 2019 herum.

Quelle

(THK)

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2 Kommentare

  1. Seltsam, dass in keinem NASA Bericht erscheint , wie viel der Gletscher zugenommen hat….
    Und sich die US Klimat Wissenschaftler beklagen dass deren Etat gekürzt wird wären die NASA scheinbar zusätzliche Gelder bekommt..

    • Man muss immer unterscheiden zwischen globalen und lokalen Veränderungen. Beispielsweise ist der Trend zur Erwärmung global, auch wenn es in den USA eine Kältewelle gab. Ähnlich ist es mit den Gletschern. Einzelne, lokal begrenzte Gletscher können an Eismasse gewinnen, während sie im globalen Trend betrachtet schneller abschmelzen und weniger werden.

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