Mondbeobachtungen, Polarlichter und Jupiter mit Venus

Polarlichter am 27. Februar 2023. (Credits: astropage.eu)
Polarlichter am 27. Februar 2023. (Credits: astropage.eu)

Da war es wieder soweit: eine kurze Schönwetter-Katastrophe. Das ist meistens auch der Grund dafür, falls hier unter der Woche mal keine tägliche Wissenschaftsnachricht veröffentlicht wird. Das Aufbauen des Equipments für längere Beobachtungen erfordert eine gewisse Vorbereitungszeit. Dafür gibt es im Nachgang aber neue Bilder und/oder einen Beobachtungsbericht wie diesen.

 

Polarlichter

Die kurze Schönwetter-Katastrophe begann letzte Woche Montag, obwohl das Wetterradar zunächst keine gute Sicht versprach. Verschiedene Quellen und Apps berichteten über Polarlichter, die bis in die mittleren Breiten zumindest fotografisch nachweisbar sein sollen. Zum Glück (1) ist man in der Astroszene gut vernetzt, so dass Informationen über solche Ereignisse schnell weitergegeben werden. Zum Glück (2) hatte ein Freund, der ebenfalls Astrofotografie betreibt, die Idee, es trotz des wenig erfolgversprechenden Wetterradars zu versuchen und auf Polarlichtjagd zu gehen. Und zum Glück (3) sind hier recht schnell ein paar dunkle, hochgelegenen Orte zu erreichen.

Wildewiese ist ein relativ abgelegenes und damit dunkles Fleckchen im Sauerland. Der Standort bietet einen schönen Rundumblick, allerdings ist der Wind frisch und die gefühlte Temperatur entsprechend kalt (Notiz an mich selbst: Nächstes Mal die Handschuhe nicht vergessen!). Im Folgenden gibt es einige Infos zu den Bildern und zum Equipment (* = Affiliatelinks).

Für das Fotografieren von Polarlichtern eignen sich Weitwinkelobjektive natürlich besonders gut. In diesem Fall war das ein 14-Millimeter-Objektiv (*) für Canon-Spiegelreflexkameras (*).

Die Polarlichter waren mit dem bloßen Auge leider nicht wahrnehmbar, aber der Kamerasensor konnte sie dank Langzeitbelichtung festhalten, wie das Titelbild zeigt (hier der Direktlink zum Bild). Positiv zu erwähnen ist, dass das Thema der Polarlichter in den großen Medien aufgegriffen wurde, so dass sich noch andere interessierte Beobachter einfanden, ebenfalls zum Teil bewaffnet mit Kameras. An dieser Stelle einen lieben Gruß an Irmgard & Begleitung. Nach ein paar Tipps bezüglich Fokussieren am Stern und sinnvoller Einstellungen hatten dann alle Beteiligten das Polarlicht fotografisch festgehalten. Allein das kann man schon als tollen Erfolg betrachten, wenn man bedenkt, wie selten Polarlichter in unseren Breiten vorkommen.

Die Ursache für das Phänomen ist die Sonnenaktivität. Geladene Teilchen von der Sonne interagieren mit dem Erdmagnetfeld und werden in Richtung der Magnetpole abgelenkt. Dort kollidieren sie mit Molekülen der Erdatmosphäre und setzen dabei Licht in charakteristischen Wellenlängen frei. Bei starken Sonneneruptionen kann es vorkommen, dass die Teilchen auch in unseren Breiten in die Atmosphäre gelenkt werden und die Polarlichter erzeugen.

Mondbeobachtungen

Die folgenden Abende waren fast wolkenlos und klar – eine gute Gelegenheit, um den TS Optics Apochromatischer Refraktor AP 80/560 Photoline OTA (*, hier bei Amazon) einem umfangreicheren Test am Mond zu unterziehen.

Mit 560 Millimetern Brennweite zeigt der Mond zwar schon einige interessante Formationen auf seiner Oberfläche, aber für detaillierte Oberflächenbeobachtungen sind noch größere Brennweiten erforderlich. Eine Möglichkeit, um das zu erreichen, sind sogenannte Barlow-Linsen, die zwischen Teleskop und Kamera platziert werden und die Brennweite um einen vorgegebenen Faktor vergrößern. Hier kam eine TeleVue Barlowlinse 2,5x Powermate 1,25″ (*) zum Einsatz, so dass die physische Brennweite des Systems 560mm * 2,5 = 1400mm betrug. Das ist etwas mehr als bei dem Maksutov 90/1250 (*), den ich sonst gerne für spontane Mondbeobachtungen verwende.

Das Ergebnis sieht so aus:

Mondmosaik vom 28. Februar 2023. Klick öffnet die Original-Auflösung. (Credits: astropage.eu)
Mondmosaik vom 28. Februar 2023. Klick öffnet die Original-Auflösung. (Credits: astropage.eu)

Das Bild entstand mit einer sogenannten Planetenkamera, die ihre Stärken im Bereich der Mond- und Planetenbeobachtungen ausspielen kann. Technisch gesehen funktioniert es ähnlich wie eine Webcam, jedoch mit mehr Einstellungsmöglichkeiten und in besserer Qualität. Das Aufnehmen von Videos hat den Vorteil, dass durch die Nachbearbeitung die Turbulenzen in der Erdatmosphäre, Seeing genannt, mehr oder weniger gut herausgemittelt werden können, was zu einem schärferen Endergebnis führt. Die Vorgehensweise dabei habe ich im Tutorial für Mondbilder mit Planetenkamera beschrieben. Die Planetenkameras besitzen normalerweise aber relativ kleine Sensoren, was sich bei großen Objekten wie dem Mond als Nachteil erweist: Er passt schlicht und einfach nicht komplett auf den Sensor. Aus diesem Grund muss man mehrere Ausschnitte des Mondes aufnehmen und die Ergebnisse anschließend zu einem Gesamtbild zusammenfügen – man muss ein Mosaik erstellen. Auch dafür habe ich meine Vorgehensweise in einem Tutorial zur Erstellung von Mond-Mosaiken beschrieben.

Mondmosaik vom 1. März 2023. Klick öffnet die Original-Auflösung. (Credits: astropage.eu)
Mondmosaik vom 1. März 2023. Klick öffnet die Original-Auflösung. (Credits: astropage.eu)
Mondmosaik vom 2. März 2023. Klick öffnet die Original-Auflösung. (Credits: astropage.eu)
Mondmosaik vom 2. März 2023. Klick öffnet die Original-Auflösung. (Credits: astropage.eu)

Auf den Bildern kann man gut erkennen, wie sich die Tag-Nacht-Grenze verschiebt und andere Oberflächenformationen besser hervortreten, weil das Licht mit einem sehr schrägen Winkel eintrifft und die Schatten auf der Oberfläche dadurch länger werden. So entsteht der plastische Eindruck der Krater und Gebirge in der Nähe der Tag-Nacht-Grenze.

Jupiter-Venus-Konjunktion

Jupiter-Venus-Konjunktion am 2. März 2023. Klick öffnet die Original-Auflösung. (Credits: astropage.eu)
Jupiter-Venus-Konjunktion am 2. März 2023. Klick öffnet die Original-Auflösung. (Credits: astropage.eu)

Ein kleines optisches Highlight bildete den Abschluss der Schönwetter-Katastrophe: Jupiter und Venus begegneten sich scheinbar am Abendhimmel. Das Bild entstand mit demselben Teleskop, aber ohne Barlow-Linse, weil das Planetengespann sonst nicht zusammen auf den Sensor gepasst hätte. Außer der Venus und Jupiter sind auch dessen vier größte Monde als kleine Lichtpunkte zu sehen: die Galileischen Monde Callisto, Ganymed, Europa und Io (von links nach rechts).

Unterm Strich kann man sagen, dass das Teleskop einen guten Eindruck macht und (unter anderem) schöne Mondbeobachtungen ermöglicht, insbesondere mit einer hochwertigen Barlow-Linse. Aber die Mondbeobachtungen sind in dem Fall nur ein Bonus – der Hauptzweck des Teleskops liegt im Bereich Deepsky-Fotografie.

(THK)

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